Ich liebe es, alte Möbel neu zu erfinden — besonders, wenn ein Stück bereits eine gute Basis hat, aber einfach nicht mehr zu unserem Stil passt. Vor Kurzem habe ich eine sperrige, etwas verbeulte Kommode aus dem Flohmarkt mit nach Hause genommen und sie in ein platzsparendes Sideboard im Skandi-Look verwandelt. In diesem Beitrag zeige ich dir meine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit du das auch kannst — mit wenig Werkzeug, nachhaltigen Materialien und ganz ohne Profi-Kenntnisse.
Warum eine alte Kommode zum Sideboard machen?
Alte Kommoden sind oft stabil gebaut und haben ein gutes Innenleben (Schubladen, Einlegeböden). Anstatt ein neues Sideboard zu kaufen, kannst du mit wenigen Handgriffen Stauraum schaffen, der perfekt in dein Wohnzimmer, Flur oder Schlafzimmer passt. Für mich ist Upcycling nicht nur nachhaltig, sondern auch eine Möglichkeit, Persönlichkeit in die Einrichtung zu bringen: der leichte Retro-Charme bleibt erhalten, bekommt aber ein modernes, skandinavisch-minimales Update.
Materialien und Werkzeug
Bevor du loslegst, hier eine Übersicht der Materialien und Werkzeuge, die ich verwendet habe. Du brauchst nicht alles neu zu kaufen — oft findest du bestimmte Teile im Baumarkt oder Secondhand.
| Material | Warum |
| Schleifpapier (Körnung 80, 120, 220) | Alte Lackreste entfernen, glatte Oberfläche vorbereiten |
| Holzspachtel | Risse und Löcher ausbessern |
| Grundierung (Acryl- oder Holzgrund) | Haftung für die Farbe verbessern |
| Farbe (Acryl- oder Kreidefarbe) | Farben im Skandi-Look: Weiß, Sand oder Pastelltöne |
| Mattlack oder Holzöl | Schutzschicht |
| Neue Griffe / Beine (optional) | Modernisiert und erhöht das Sideboard |
| Schrauben, Einschlagmuttern | Für stabile Befestigungen |
| Stichsäge / Handkreissäge (bei Zuschnitt) | Wenn du Türen einbauen oder Oberplatte zuschneiden möchtest |
| Schraubenzieher, Bohrmaschine, Zwingen | Allgemeine Montage |
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Kommode auswählen und prüfen
Wähle eine Kommode mit stabiler Struktur. Öffne Schubladen, prüfe Schubladenführungen und Rückwand. Wenn die Rückwand kaputt ist, kannst du sie durch eine dünne Sperrholzplatte ersetzen — das macht das Möbelstück direkt stabiler. Achte darauf, dass die Maße für den vorgesehenen Stellplatz passen.
Schritt 2: Reinigen und vorbereiten
Reinige die Oberfläche gründlich mit warmem Wasser und mildem Spülmittel oder einem speziellen Holzreiniger. Entferne Klebereste, Staub und Fett. Lass alles gut trocknen. Dieser Schritt wird oft unterschätzt, ist aber wichtig für die Haftung von Grundierung und Farbe.
Schritt 3: Schleifen
Schleife die Oberfläche zunächst mit grobem Schleifpapier (80er), besonders wenn alter Lack oder Unebenheiten vorhanden sind. Danach glatteres Papier (120) und zuletzt 220 für eine feine Oberfläche. Ich benutze eine Handschleifmaschine für große Flächen — das spart Zeit. Entferne den Schleifstaub mit einem feuchten Tuch oder einem Tacker für feinen Staub.
Schritt 4: Ausbessern
Risse und Löcher mit Holzspachtel füllen. Nach dem Trocknen noch einmal leicht anschleifen, damit alles glatt ist.
Schritt 5: Grundieren
Eine gute Grundierung sorgt dafür, dass die Farbe gleichmäßig deckt und besser sitzt. Trage die Grundierung dünn und gleichmäßig auf und lass sie vollständig trocknen (Herstellerangaben beachten). Für stark saugende Hölzer kann eine zweite Schicht nötig sein.
Schritt 6: Gestalten im Skandi-Look
Der Skandi-Look lebt von Helligkeit, klaren Linien und natürlichen Materialien. Ich empfehle eine helle, matte Farbe: Off-White, warmes Grau oder ein zartes Pastell. Für eine besonders schöne Haptik mag ich Kreidefarben (z. B. von Annie Sloan oder günstiger: Jokey / Schöner Wohnen), weil sie matt wachsen und leicht zu verarbeiten sind. Trage zwei dünne Schichten auf und schleife zwischen den Schichten sehr leicht an (220er), damit die Oberfläche samtig wird.
Schritt 7: Neue Beine oder Sockel
Ein typisches Merkmal von skandinavischen Sideboards sind schlanke, leicht angespitzte Beine aus hellem Holz. Du kannst fertige Möbelbeine (z. B. von IKEA oder Online-Shops für Möbelzubehör) montieren. Ich habe meine Beine mit Einschlagmuttern und Schrauben befestigt — das gibt Stabilität und lässt sich später wieder austauschen. Wenn du Platz sparen willst, wähle höhere Beine, sodass unter dem Sideboard noch Stauraum entsteht und das Möbel kleiner wirkt.
Schritt 8: Griffe austauschen oder weglassen
Minimalistische, runde Messing- oder Holzgriffe passen sehr gut zum Skandi-Stil. Alternativ kannst du die Schubladen auch ohne sichtbare Griffe gestalten, indem du sogenannte Push-to-Open-Beschläge montierst. Das wirkt sehr clean, ist aber etwas aufwendiger beim Einbau.
Schritt 9: Schutzschicht auftragen
Für die Schutzschicht nutze ich einen matten Acryllack oder ein natürliches Öl (z. B. Leinöl oder Osmo Holzöl). Lack ist widerstandsfähiger gegen Kratzer, Öl betont die Holzstruktur und ist leichter reparierbar. Trage die Schicht dünn auf und lasse sie gut trocknen.
Schritt 10: Innenraum optimieren
Um das Sideboard wirklich funktional zu machen, kannst du die Innenräume mit einzelnen Einsätzen oder herausnehmbaren Körben organisieren. Eine dünne Schicht Filz oder selbstklebende Korkplatten auf den Einlegeböden schützt Geschirr oder Dekoteile. Wenn du Schubladen nicht brauchst, entferne sie und installiere statt dessen offene Regalfächer.
Praktische Tipps & Fehler, die du vermeiden solltest
- Nicht zu dick lackieren — mehrere dünne Schichten geben ein besseres Ergebnis als eine dicke.
- Geduld zahlt sich aus: Schleifen und Trocknungszeiten sind keine Zeitverschwendung.
- Probiere Farbmuster an einer nicht sichtbaren Stelle aus — Licht verändert die Wirkung stark.
- Wenn du die Originalstruktur erhalten willst (z. B. Furnier), sei vorsichtig beim Schleifen, sonst schadest du dem Furnier.
- Bei der Wahl der Beine: Achte auf die maximale Belastung und die Befestigungsart.
Meine Lieblingskombinationen für den Skandi-Look
Ich kombiniere gern ein warmes Weiß (#F7F6F2) mit natürlichen Holzbeinen und matten Messinggriffen. Für ein bisschen Farbe bietet sich ein zartes Salbeigrün oder Dusty Rose an — beides wirkt skandinavisch-frisch, ohne dominant zu sein. Accessoires wie eine Leinenvase, ein minimalistisches Tablett oder eine runde Wandspiegel runden das Sideboard stimmungsvoll ab.
Wenn du möchtest, zeige ich dir im nächsten Beitrag gerne, wie du aus derselben Kommode statt Beinen eine Wandmontage machst (hängen statt stehen) oder wie du Einlegeböden speziell für Mediengeräte zuschneidest. Schick mir gern Fotos deiner Funde — ich freue mich immer über Inspiration und helfe dir bei Fragen weiter.