Alte Möbel haben für mich immer etwas Magisches: Geschichten in den Maserungen, kleine Gebrauchsspuren, die von vergangenen Tagen erzählen. Aber manchmal möchte ich genau dieses Erbstück auffrischen, ohne ihm den Charakter zu nehmen. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ich einen alten Stuhl wie ein Profi schleife, grundiere und lackiere — mit praktischen Tipps, Produkten, die ich mag, und Ideen, wie du nachhaltig arbeiten kannst.
Warum Schleifen, Grundieren und Lackieren wichtig sind
Bevor ich loslege, frage ich mich immer: Was will ich erreichen? Soll der Stuhl glatt und modern wirken oder sollen die Gebrauchsspuren sichtbar bleiben? Schleifen sorgt für Haftung und entfernt alte Lackschichten oder Fett. Grundieren schafft eine gleichmäßige Basis, besonders bei dunklem Holz oder reparierten Stellen. Und der Lack schützt und gibt dem Stück den endgültigen Look. Ohne diese drei Schritte kann Farbe abblättern, ungleichmäßig wirken oder die Oberfläche schnell leiden.
Werkzeuge und Materialien, die ich benutze
Hier ist meine übliche Ausstattung — nichts übertriebenes, aber alles, was man braucht:
Vorbereitung: Arbeitsplatz und Sicherheitsmaßnahmen
Ich arbeite am liebsten draußen oder in gut belüfteten Räumen. Staub und Farben wollen nicht in meiner Wohnung landen — also decke ich den Boden ab und sorge für frische Luft. Sicherheit ist mir wichtig: eine Staubmaske und Schutzbrille gehören immer dazu. Wenn du mit alten Möbeln arbeitest, könnten Altanstriche Schadstoffe enthalten — bei sehr alten Stücken rate ich zu besonderer Vorsicht.
Schritt: Den Stuhl reinigen und inspizieren
Bevor geschliffen wird, säubere ich den Stuhl gründlich. Krümel, Fettflecken oder klebrige Rückstände entferne ich mit warmem Seifenwasser oder einem milden Allzweckreiniger. Anschließend trocknen lassen. Dann inspiziere ich Verbindungen und Schrauben: Sind Sitzfläche oder Lehne wackelig, so sollten Verbindungen vor dem Schleifen stabilisiert werden. Risse fülle ich mit Holzspachtel und schleife die Stelle nach dem Trocknen glatt.
Schritt: Grober Schleifvorgang
Beim Schleifen arbeite ich in mehreren Körnungen. Ich fange mit einer groben Körnung (z. B. 80 oder 120) an, um alte Lackschichten oder Unebenheiten zu entfernen. Bei massivem, dickem Lack kommt 80 zum Einsatz; bei dünneren Schichten reicht 120.
Wichtig: Nicht zu viel Material abtragen. Die Konturen und die Struktur des Stuhls dürfen nicht verloren gehen. Nach dem Grobschliff entferne ich den Schleifstaub gründlich mit einem Staubpinsel und einem leicht feuchten Tuch.
Feinschliff und Zwischenschliff
Nachdem die groben Unebenheiten weg sind, gehe ich mit 180er oder 240er Papier noch einmal drüber. Das glättet die Oberfläche und bereitet sie optimal auf die Grundierung vor. Nach jedem Schleifschritt entferne ich den Staub — das ist entscheidend für ein glattes Finish.
Der richtige Primer / Haftgrund
Ein guter Haftgrund ist oft das Geheimnis für ein langlebiges Ergebnis. Ich nutze gern einen Acryl-Haftgrund oder einen lösungsmittelbasierten Primer wie Zinsser BIN, wenn stark saugende oder dunkle Untergründe vorhanden sind. Primer:
Ich trage die Grundierung mit einem Pinsel in Ecken und Verbindungen auf und rolle flache Flächen mit einer Schaumstoffrolle. Bei Bedarf trage ich zwei dünne Schichten auf und schleife leicht mit 240er zwischen den Schichten, um eine seidig glatte Oberfläche zu bekommen.
Lack auswählen: Was passt zu deinem Stuhl?
Die Wahl des Lacks hängt vom Nutzungszweck ab. Für einen Stuhl, der oft benutzt wird, bevorzuge ich einen robusten, kratzfesten Lack:
Ich mische meine Farben manchmal selbst (z. B. mit Acryllacken von Farrow & Ball oder Annie Sloan) für den perfekten Ton. Wenn du eine trendige, matte Optik willst, ist Chalk Paint + Wachs eine tolle Option. Für häufige Nutzung wähle ich jedoch einen robusten Acryllack mit satinierter Oberfläche.
Streichen und Techniken für ein professionelles Finish
Mein Trick: Mehrere dünne Schichten statt einer dicken. Dünne Schichten trocknen schneller, laufen weniger und ergeben ein gleichmäßigeres Ergebnis.
Wenn ich besonders glatte Oberflächen möchte, nutze ich abschließend ein sehr feines Schleifvlies und poliere dann leicht mit einem weichen Tuch.
Nachhaltige Tipps, die mir wichtig sind
Ich achte darauf, möglichst umweltfreundliche Produkte zu wählen und Reste sinnvoll zu verwenden:
Kurze Fehlerliste: Was ich gelernt habe
Ein paar typische Fehler, die mir am Anfang passiert sind — und wie du sie vermeidest:
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Blasen im Lack | Staub oder eingeschlossene Luft | Streifen mit feinem Schleifpapier, Staub entfernen, erneut in dünner Schicht lackieren |
| Ungleichmäßige Oberfläche | Zu dicke Schicht oder schlechte Verteilung | Leichten Zwischenschliff, erneut dünn auftragen |
| Abblättern | Schleifen/Grundieren unzureichend | Alte Farbe entfernen, Primer verwenden, sauber arbeiten |
Wenn du den Stuhl fertiggestellt hast, lasse ihn gut durchtrocknen — oft braucht der Lack mehrere Tage, um vollständig auszuhärten. Dann kannst du ihn wieder in dein Zuhause integrieren und freust dich über ein Stück mit neuem Leben. Falls du möchtest, zeig mir gern ein Foto deines Projekts — ich freue mich immer, Inspirationen und Ergebnisse zu sehen!