Als ich mein erstes Regal im skandinavischen Stil umgestaltet habe, wollte ich genau dieses Gefühl: schlicht, warm und gleichzeitig mit einer wohnlichen Patina, die an vergangene Zeiten erinnert. Mit Kreidefarbe und gezielten Wachseffekten lässt sich genau das erzielen — und das Beste daran: Du brauchst keine teuren Werkzeuge, nur etwas Geduld und Freude am Tun. In diesem Beitrag erzähle ich dir Schritt für Schritt, wie ich vorgegangen bin, welche Materialien sich bewährt haben und welche Fehler du vermeiden kannst.
Warum Kreidefarbe und Wachs?
Kreidefarbe (Chalk Paint) ist für mich die perfekte Basis: sie haftet hervorragend auf den meisten Oberflächen, lässt sich leicht verarbeiten und hat von Natur aus eine matte, samtige Optik, die gut zum skandinavischen Minimalismus passt. Die Farbe erzeugt eine ruhige, matte Fläche, während Wachs—egal ob klar oder farbig—dazu dient, die Oberfläche zu schützen, zu intensivieren und gezielt Alterungsspuren zu setzen. Zusammen ergeben sie eine Oberfläche mit Tiefe: die Farbe sorgt für Ton und Stimmung, das Wachs bringt Kontraste, Glanzpunkte und eine fühlbare Struktur.
Materialliste (meine Favoriten)
Vorbereitung: Was ich zuerst mache
Bevor ich überhaupt den ersten Pinselstrich setze, räume ich das Regal komplett frei und reinige es gründlich. Staub und Fett verhindern eine gleichmäßige Haftung. Für geölte oder gewachste Flächen habe ich schon einmal mit einem Entfetter gearbeitet oder die Oberfläche leicht angeschliffen (mit 120er Papier), damit die Kreidefarbe besser anhaftet. Bei lackierten oder laminierten Oberflächen genügt oft ein leichter Anschliff.
Ein Tipp: Wenn du Holzmaserung erhalten möchtest, schleife nur dort, wo nötig. Bei sehr glatten Oberflächen hilft ein Primer oder eine Haftgrundierung, aber oft ist Kreidefarbe genügsam genug.
Farbwahl: Skandi-Farbpalette
Skandinavischer Stil lebt von ruhigen, hellen Tönen, kombiniert mit sanften Kontrasten. Meine Lieblingskombinationen sind:
Für ein Vintage-Regal setze ich meist auf ein gedämpftes Hauptton (z. B. „Antique White“ oder „Dove Grey“) und arbeite mit einem dunkleren Wachs, das die Vertiefungen und Kanten betont. Ein leichter Hauch von Pastell innen in den Fächern kann schön wirken, ohne den skandinavischen Charakter zu überladen.
Die Grundschicht auftragen
Ich beginne mit einer dünnen, gleichmäßigen Schicht Kreidefarbe. Wichtig: lieber mehrere dünne Schichten als eine dicke — das verhindert sichtbare Pinselspuren und sorgt für ein natürliches Finish. Nachdem die erste Schicht getrocknet ist (meist innerhalb von 1–2 Stunden, je nach Produkt), beurteile ich die Deckkraft. Oft genügt eine zweite Schicht, manchmal sind drei nötig, wenn du eine sehr deckende Farbe möchtest.
Für bewusstes Abblättern oder Shabby-Chic-Effekte trage ich die zweite Schicht gezielt unregelmäßig auf und schleife anschließend Stellen leicht an, an denen natürlicher Abrieb entstehen würde: Kanten, Griffe, Ecken.
Wachseffekte setzen: Technik und Tipps
Wachs ist das Zaubermittel. Klarwachs schützt und gibt eine leichte Tiefe, während dunkles Antiquing-Wachs die Struktur herausarbeitet und die Optik „gealtert“ erscheinen lässt.
Ein Trick, den ich oft nutze: Mische ein bisschen farbiges Wachs mit klarem Wachs, um sanfte Schattierungen zu erzeugen. So entsteht ein sehr natürlicher Alterungsgrad, ohne harte Kanten.
Fehler, die ich gemacht habe – und wie du sie vermeidest
Details und Styling im Skandi-Vintage-Look
Die kleinen Dinge machen die Stimmung: schlichte Griffe aus Holz oder Messing, Rattankörbe in den Fächern, und Pflanzen mit klaren Linien (z. B. Philo oder Efeu) bringen Leben in das Regal. Für den Vintage-Touch liebe ich alte Buchrücken in neutralen Tönen, Keramikstücke mit einfacher Glasur und gerahmte Schwarz-Weiß-Fotos.
Wenn das Regal Teil eines größeren Raumes ist, achte ich darauf, die Farbpalette aufzunehmen: ein Kissen, ein Teppich oder eine Vase in ähnlichen Tönen schaffen Harmonie. Licht spielt eine große Rolle: warmes, gedämpftes Licht betont Wachs-Highlights besonders schön.
Nachhaltige Entscheidungen
Nachhaltigkeit liegt mir am Herzen. Oft verwende ich recycelte Hölzer oder bereits vorhandene Möbelstücke statt neu zu kaufen. Bei Materialien achte ich auf VOC-arme Produkte und wachse auf Bienenwachs- oder Pflanzenbasis, wenn möglich. Kreidefarbe lässt sich zudem leicht selbst anmischen—das bedeutet weniger Verpackungsmüll, wenn du größere Mengen benötigst.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange hält der Wachsschutz?
Das hängt von Nutzung und Beanspruchung ab. In normalen Wohnbereichen kann eine gut aufgetragene Wachsschicht Jahre halten; bei viel Gebrauch erneuere ich nach 1–2 Jahren die dünne Wachsschicht.
Kann man Kreidefarbe auf lackierten Flächen verwenden?
Ja, meistens ohne Grundierung, aber ein leichter Anschliff hilft der Haftung. Bei sehr glatten Lacken ist eine Haftgrundierung sinnvoll.
Ist Wachs wasserfest?
Wachs schützt vor leichter Feuchtigkeit und Flecken, ist aber nicht vollständig wasserfest. Für stark beanspruchte Flächen empfehle ich einen Klarlack auf Wasserbasis oder speziellen Möbel-Lack.
Welche Werkzeuge brauche ich unbedingt?
Gute Pinsel, ein weiches Tuch und ein feines Schleifpapier sind die minimalen Must-haves. Alles andere sind Feinarbeiten, die du nach Bedarf ergänzen kannst.
Wenn du möchtest, kann ich dir auch Schritt-für-Schritt-Fotos oder eine Materialcheckliste zum Ausdrucken zusammenstellen — sag mir einfach, welches Regal du umgestalten willst (Holzart, Zustand, Maße) und ich gebe dir eine personalisierte Empfehlung.